Fliegertouren
Mit der D-MTNN nach Helgoland und Wangerooge PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Christian Bellin   
Donnerstag, den 18. Oktober 2012 um 19:36 Uhr




Nach einigen Jahren wollte ich endlich einmal wieder "auf Strecke" gehen und eine mehrtägige Tour unternehmen. Die Nordsee sollte das Ziel sein. Hier bietet sich Helgoland als besonderes fliegerisches Highlight an. Vorher noch zwei Schwimmwesten bestellen und Zurrzeug zur Sicherung des Flugzeuges zusammensuchen. Im DFS-AIS Portal die Flugpläne vorbereitet denn mit dem UL oder für MoSe sind die immer noch vorgeschrieben.

Unseren - meine Frau und ich - ursprünglicher Plan konnten wir leider nicht in die Tat umsetzen. Er sah vor, am 08.08. nach Langeoog zu fliegen und von dort am 09. einen Tagesausflug nach Helgoland zu unternehmen. Hier machte uns das Wetter einen Strich durch die Rechnung, der Mittwoch war nicht fliegbar. Kurzerhand die Flugzeugbuchung auf Donnerstag verschoben und dann auf Hotelsuche!

Nach gut zwei Stunden Internet und unzähligen Telefonaten hatten wir endlich unser Unterkünfte zusammen: die erste Nacht auf Helgoland und die zweite auf Wangerooge. Damit waren endlich alle Voraussetzungen erfüllt.

 

 

Der erste Tag


Um 09:00 local in Nörvenich angekommen mussten wir bis ca 11:30 UTC warten, bevor es endlich los gehen konnte. Das Wetter über dem Ruhrgebiet war soweit aufgezogen, dass GAFOR uns D1 meldete. Nicht optimal, aber dennoch gut fliegbar. Die Wolkenuntergrenzen lag bei ca 3000 ft MSL. Um 11:32 UTC hoben wir ab und flogen über Leverkusen, Marl-Lohmühle und Nordhorn-Lingen zum Flugplatz Leer-Papenburg (EDWF). Wie bei allen Überland-Flügen flogen wir mit Anmeldung bei Langen Information mit Verkehrs- und Wetterinformationen unterstützt.

Mit mäßigem Wind von schräg vorn war der Weg in 1:55 h hinter uns gebracht. Uns begrüßte ein sehr netter und - wie sich später herausstellte - auch sehr hilfsbereiter Flugleiter am Funk. Die Landung mit gut 10-12 Knoten von 60 Grad rechts vorn wurde an der Halbbahnmarke angesetzt. Im forderen Teil der Piste 26 gab es durch die vorhandenen Baumreihen starke Verwirbelungen. So war die Landung aber kein Thema.

Nach einer knappen Stunde Pause und einer Kanne echtem Ostriesentee sollte es nun weitergehen nach Helgoland. Mit Hilfe des Türmers den Flugplan aufgegeben und die Schwimmwesten angelegt. Noch schnell einen Check vor dem Abflug und - der Reifen den rechten Hauptfahrwerkes mit etwas zu wenig Luft! Hier half und dann wieder der freundliche Flugleiter, organisierte einen Kompressor nebst Zubehör und schon war das Problem behoben. Um 14:47 UTC hoben wir von der 26 ab und flogen direkt auf Kurs 030 Grad Richtung Wangerooge. Wieder bei Bremen Information angemeldet wurde uns bestätigt, dass die Kontrollzone Wittmundhafen/Jever nicht aktiv ist, so dass wir quer hindurch fliegen konnten.

Wangerooge war nach ca. einer viertel Stunde erreicht, Kurs Nord nun Richtung Helgoland aufgenommen. Der Flug über das Wasser in ca. 2000 ft Höhe war einfach fantastisch! Keine Turbulenzen mehr und absolut ruhige Luft trotz ca 15 Knoten Wind. Kaum Wangerooge verlassen war Helgoland bereits am Horizont zu erkennen. Nach 10 Minuten haben wir uns bei Bremen Information abgemeldet und Helgoland Info gerufen. Wir bekamen wie erwartet die Piste 33 genannt, Der Wind immer noch mit 15 kn stand mit 320 Grad nahmzu auf der Piste, was eine einfache Landung auf der Düne, der Helgoland vorgelagerten Düneninsel, erwarten ließ. Nach weitere knapp 10 Minuten waren wir auch schon im Final auf die 480 Meter lange Beton-Piste. Die Landung war aufgrund des Windes von vorn sehr einfach. Vom Piloten werden für Helgoland 100h Flugerfahrung als PIC  verlangt, für diese Landung nicht wirklich erforderlich. Bei anderen Wetterverhältnissen ist dies sicherlich anders.

Nachdem wir die NN auf der Düne verzurrt hatten (Es gibt überall mit Beton ausgegossene Autoreifen als Anker) und die Formalitäten beim Turm erledigt hatten (10 € Landegebühr, dafür kostet die Abstellung des Flugzeugs über Nacht nichts extra) fuhren wir mit der Dünen-Fähre zu Hauptinsel hinüber. Nach Bezug unseres Hotels und einem leckeren Abendessen erkundeten wir noch etwas die Insel, bevor wir müde in Bett fielen.

 

 

 

Der zweite Tag


Den Tag verbrachten wir auf der Insel bei sehr durchwachsenem Wetter. Kräftiger Wind und gelegentliche Schauer gehören nicht wirklich zu unserem bevorzugten Urlaubswetter. Dennoch erkundeten wir die Insel, lange Anna und Lummenkolonie sollte man auf jeden Fall gesehen haben. Nach der Mittagspause ging es mit der Fähre zurück auf die Düne. Als erstes aber warten, bis das der Regen aufhört. Die tief hängenden Wolken sahen nicht vertrauenserweckend aus, jedoch bestätigte mir ein gerade gelandeter Pilot, dass Flughöhen von 1000 ft kein Problem sind.

Also los mit der Vorbereitung: Flugplatz Wangerooge anrufen, Flugplan aufgeben und Flugzeug sorgfältig checken. Das Gepäck haben wir sorgfältig verstaut und die Schwimmwesten angelgt. Um 13:22 UTC hoben wir bei immer noch 15 kn Wind auf der Nase von der 33 ab und konnten einen letzten Blick auf Deutschlands einzige Hochseeinsel werfen. Nach nur 21 Minuten in 1000 ft unter einer fast geschlossenen Wolkendecke landeten wir sicher auf der auf der Piste 28 auf dem Verkehrslandeplatz Wangerooge. Einen trockenen (nicht sumpfigen) Abstellplatz gab es dann trotz anders lautender NOTAM auch. Also Flugzeug mit Hilfe der mitgebrachten Anker verzurrt und ab ins Hotel. Das Zahlen der Gebühren wurde für den Abreisetag vereinbart.

Nach einem schönen Spaziergang am Strand entlang und einem schönen Abendessen in einem Fischrestaurant ging ein schöner und erlebnisreicher Tag zu Ende.

 

Der dritte Tag.

Über Nacht eine komplett geänderte Wetterlage: Strahlend blauer Himmel, leichter Ostwind und die Aussicht auf über 20 Grad im Schatten. Ein kurzer Blick auf das GAFOR verhieß bereits früh optimale Bedingungen für unseren späteren Rückflug. Davor jedoch noch ein schöner Tag auf der Insel. Im gemieteten Strandkorb gab es zumindest einen guten halben Tag echtes Urlaubsfeeling. Gegen 14Uhr local hieß es jedoch: Vorbereitung auf den Heimflug.

Nach Abwicklung der Formalitäten (7 € Landegebühr und 4 für die Abstellung der NN für eine Nacht) und der obligatorischen Flugvorbereitung inkl. sorgfältigen Check der Maschine hoben wir um 13:27 UTC von der Piste 10 ab und nahmen unsere erste Etappe nach Marl Lohmühle auf. Hier war eine Pause zum Tanken und Kaffee trinken geplant. Die mächtigen Kumulus-Wolken mit 3-4/8 Abdeckung hatten eine Basis von gut 3300 ft. Um der ausgeprägten Thermik zu entgehen stiegen wir hoch auf FL75 und konnten zumindest eine Weile echtes Jet-Feeling genießen. Nachdem die Mächtigkeit der Wolken jedoch anstieg und etwas dichter wurden, sanken wir wieder auf 3000 ft und mußten mit ein paar Turbulenzen leben.

Mit zunehmend schlechter werdender Sicht, wieder D1 über dem nördlichen Ruhrgebiet, flogen wir nach 1:33h Flugzeit die Piste 07 von Marl Lohmühle an. Bei etwas böigem Wind war dies der anspruchvollste Anflug der gesamten Tour, im kurzen Final erwischte uns noch eine Böe, bevor wir sicher in Marl aufsetzten. Nun zuerst tanken und anschließend die verdiente Kaffee-Pause.

Die letzte Etappe unserer kleinen Reise führte nun wieder über Leverkusen zurück auf den Heimatplatz Nörvenich. Die Sichten hatten sich in der Zwischenzeit wieder deutlich verbessert, bei Wolkenuntergrenzen über 3000 ft gab es einen ruhigen und fast ereignislosen Flug zurück nach Hause. Nach nur 38 Minuten Flugzeit landeten wir exakt um 16:30 UTC auf der 07 in ETNN.

Während unserer kleinen Tour haben wir eine Flugstrecke von 789 km hinter uns gebracht, die gesamte Flugzeit betrug 5:15 h. Wir haben an den drei Tagen einen (leider sehr) kurzen Urlaub genossen und haben uns fest vorgenommen, ähnliches zu wiederholen!

Zuletzt aktualisiert am Dienstag, den 23. Oktober 2012 um 20:14 Uhr